Falsche Ansichten über Periimpantitis

In der Literatur finden wir eine grössere Zahl on “Faktoren” die angeblich das Auftreten einer Periimpantitis begünstigen. Wir stellen diese Liste in Frage1, die vermutlich in erster Linie deswegen erfunden wurde, um die Schuld an dem Problem den Patienten zuzuschieben. Die tatsächliche Ursache stellt die Verwendung von fragwürdig konstruierten Implantaten dar und demzufolge gibt es keine andere Lösung, als solche Implantate nicht mehr zu verwenden.


Faktoren, die typischerweise mit dem Auftreten der Periimplantitis verknüpft werden, sind:
  • Rauchen

    Richtig ist: Nikotinabusus hat keinen Einfluss auf die Knochenphysiologie.


  • Diabetes

    Richtig ist: Diabetes hat keinen Einfluss auf die Knochenphysiologie.


  • Unbehandelte Parodontitis (dies bedeutet: eine chronische bakteriell bedingte Entzündung um die verbliebenen Zähne und in deren Zahntaschen etc.)

    Richtig ist: beim Vorliegen einer unbehandelten Parodontitis oder wenn das Wiederauftreten der Erkrankung zu befürchten ist, dann ist die Behandlung mit rauen Zahnimplantaten auf jeden Fall kontraindiziert. Im Falle der Behandlung mit basalen Implantaten werden unmittelbar vor der Implantation alle betroffenen Zähne entfernt, und anschliessend wird sogleich implantiert und versorgt.


  • Parodontale Vorerkrankung

    Dieser Begriff hat keine eindeutig definierte Bedeutung. Falls dies bedeuten sollte, dass der Patient früher eine (“erfolgreich behandelte”) Parodontitis aufwies, so muss die Frage gestellt werden, warum diese Erkrankung dann wieder auftreten sollte, nachdem sie doch (angeblich) geheilt wurde. Eventuell gilt für die Parodontitis das gleiche wie für die Periimpantitis: Ursächlich sind unabänderliche Vorgänge im Knochen verantwortlich. Kontinuitätsunterbrechungen in der Knochenstruktur (wie sie Zähne und Implantate im Knochen darstellen) sind Zustände, die einer Behandlung nicht zugänglich sind. Daneben müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Zähne und konventionelle Implantate über (im Knochen) raue Oberflächen verfügen, weswegen sie ein identisches Anhaftungspotential für Bakterien aufweisen.


  • Allgemeinerkrankungen wie Osteoporose oder Diabetes

    Richtig ist: weder Osteoporose noch Diabetes haben Einfluss auf die Überlebenswarscheinlichkeiten von Implantaten generell. Ebensowenig haben sie Einfluss auf die Entstehung von Infektionen im Knochen um dentale Implantate herum. Diabetes kann die Entstehung von Schleimhautinfektionen begünstigen.


  • Medikamente, z.B. solche mit Einfluss auf die Immunabwehr

    Richtig ist: Ausser Bisphosphonaten haben die meisten Medikamente keinen Einfluss auf die Knochenphysiologie.


  • Hormonelle Änderungen, lange anhaltender Stress

    Richtig ist: weder die im Laufe des Lebens üblichen Änderungen in der hormonalen Ausstattung der Menschen, noch sogenannter “Stress” haben Einfluss auf die Knochenphysiologie.


  • Mangelnde (zahnärztliche) Kontrollen

    Während der Routinekontrollen kann der Zustand des Knochens um die Implantate herum beurteilt werden (z.B. durch Röntgenaufnahmen). Es gibt jedoch keine Möglichkeit, das Fortschreiten einer Periimplantitis zu verhindern. Diese Erscheinung stoppt entweder von selber (z.B. an tief gelegenen, höher mineralisierten Knochenschichten) oder sie stoppt nicht, bis eben am Ende das Implantat verloren ist.


  • Schlechte Mundhygiene

    Wir meinen das es höchst fragwürdig ist bei Personen, die frühzeitig ihre Zähne verlieren, reinigungsintensive Implantate einzusetzen. Denn der Grund warum die Zähne verloren gingen lag bei der überwiegenden Zahl von jungen Implantatpatienten (45 – 55 Jahre) in der zumindest phasenweise nicht ausreichenden Mundhygiene, eventuell kombiniert mit unzureichender bzw. ungeeigneter zahnärztlicher Therapie. Wenn aber eine Person schon die Zähne über Jahrzehnte nicht ausreichend gepflegt hat, können wir dann erwarten, dass die Implantate (mit weit grösserem Pflegeaufwand) gepflegt werden? Dürfen wir dieser Patientengruppe zumuten, mit solchen Auflagen zu leben? Wir meinen, dass das unethisch ist.

    Wir geben ferner zu bedenken, dass unsere Implantatpatienten (hoffentlich) älter werden, manche von Ihnen viel älter. Mit dem Alter tritt ein Zustand ein, bei dem die Zahnpflege für den Patienten selber nicht mehr möglich sein wird, da die manuellen Fähigkeiten nachlassen. Und es werden Phasen auftreten, in denen das Zähneputzen schlichtweg vergessen wird. Damit sind geriatrische Patienten ausserordentlich grossen Risiken ausgesetzt, wenn sie mit 2-phasigen Implantaten behandelt werden. Das Risiko des Auftretens einer Periimplanttis steigt an.

    Wie der Behandlungsfall 1 (Case 1) zeigt, tritt die Periimplantitis unter steggetragenen Prothesen ebenfalls auf. Mit anderen Worten: die Idee, dem Problem auszuweichen indem dem Patienten nicht feste Zähne eingesetzt werden, sondern implantatgetragene Stegprothesen, bringt nicht den gewünschten Erfolg.

  • Fehlende Osseo-Integration

    Wenn im Knochen vor der Implantation Infektionen vorliegen, so kann dies zu frühem Implantatverlust führen. Die Infektion behindert das Zustandekommen der Osseo-Integration. Dies hat nichts zu tun mit einer Periimplantitis.

    Genau genommen haben die Patienten, bei denen die 2-phasigen Implantate frühzeitig verloren gehen noch Glück, weil ihnen langdauernde Entzündungen und der mit der Periimplantitis einhergehende vertikale Knochenverlust erspart bleiben.




1 Claims were copied from www.zahnimplantate-arztsuche.de on Sunday, January 3rd, 2016.